Aus der Reihe „Unterwegs in Europa“: Tipps für Geniesser

Ein Artikel von Jens Hoffmann

Salento, Apuliens südliche Halbinsel offeriert totale Entspannung, Abkehr vom Protokoll, von Uhr und Terminkalender.

Dazu gibt es viel Genuss und eine aufregende , wunderschöne Küstenlandschaft.

Zwischen zwei Meeren gelegen – im Osten die Adria, im Westen das Ionische Meer.

Ich nehme es vorweg, ein Urlaub in Salento ist wirklich empfehlenswert.

Und auch Städtereisende aufgepasst!

Im Salento liegt eine der schönsten Städte Italiens.

Die Barockstadt Lecce,

Sie ist -auch für den weitgereisten Journalisten- eine reizvolle Neuentdeckung.

Wir landeten in Bari und fuhren dann mit dem Zug nach Lecce.

Schon die Annäherung an Lecce vermittelt das Gefühl, eine andere Welt zu betreten.

Das „Florenz des Südens“ bekam seinen Spitznamen nicht allein wegen der Dichte barocker Bauwerke, sondern augrund seiner reizvollen Architekur, die innerhalb Italiens ihresgleichen sucht.

Möglich wurde diese einzigartige Formensprache durch die Pietra Leccese, einen hellen, vergleichsweise weichen Kalkstein, der sich besonders fein bearbeiten lässt.

Beim Spaziergang durch Lecce wird deutlich, dass hier nicht nur einzelne Kirchen oder Palazzi kunstvoll gestaltet wurden.

Nahezu jede Fassade erzählt von ihren Erbauer und verwandelt die Stadt in ein Museum steinerner Skulpturen.

Über Jahrhunderte entwickelte sich daraus eine Bildhauerkunst, die den gesamten Stadtraum prägt.

Einen völlig anderen Eindruck vermittelt die Piazza del Duomo.

Anders als die weitläufigen Hauptplätze vieler italienischer Städte öffnet sie sich nicht unvermittelt zum urbanen Leben, sondern wirkt wie eine bewusst komponierte Bühne.

Kirchen, Glockenturm und Bischofspalast rahmen den Platz nahezu vollständig ein und verleihen ihm eine fast theatralische Atmosphäre.

Architektur wird hier zur Inszenierung, ohne jemals künstlich zu wirken.

Mir gefällt es sehr, man finder zahlreiche kleine Rückzugsgassen.

Lecce offenbart seine Geschichte nicht in einer einzigen Epoche, sondern in zahlreichen übereinanderliegenden Schichten.

Römische Relikte, mittelalterliche Bauten und die große Blüte des Barock ergänzen sich zu einem vielschichtigen Stadtbild, in dem Vergangenheit nicht verdrängt, sondern fortgeschrieben wurde.

Wer durch die Altstadt geht, bewegt sich durch verschiedene Jahrtausende mediterraner Geschichte.

Interessant ist auch das Museo Faggiano (Photo).

Seine Entstehung verdankt es einem Zufall.

Als man bei Renovierungsarbeiten im Wohnhaus eine Wasserleitung reparieren wollte, stieß man auf Mauerreste, Kammern und Fundstücke aus unterschiedlichen Epochen.

Wow!

Mit jeder weiteren Grabung öffnete sich ein neues Kapitel der Stadtgeschichte: messapische Gräber, römische Baustrukturen, mittelalterliche Räume und spätere Umbauten kamen zum Vorschein. Aus einem gewöhnlichen Wohnhaus entwickelte sich schließlich ein Museum, das die archäologischen Schichten Lecce beinahe exemplarisch sichtbar macht.

Das spricht sich rum und sogar in der New York Times wurde darüber berichtet.

Vielleicht lässt sich das Verhältnis der Italiener zu ihrer Vergangenheit kaum treffender beschreiben als an diesem Ort.

Geschichte beginnt hier nicht hinter den Mauern eines Museums; sie liegt oft unmittelbar unter den Fundamenten des Alltags.

Mitunter genügt eine scheinbar unspektakuläre Renovierung, um eine jahrtausendealte Vergangenheit wieder ans Licht zu bringen – eine Erfahrung, die in Lecce weniger außergewöhnlich erscheint als vielmehr Ausdruck einer Stadt, in der Gegenwart und Geschichte bis heute untrennbar miteinander verbunden sind.

Gut gegessen haben wir auch, der Start in den Salento ist also gelungen,

Salento ist anders.

Die Region zeigt, wie sich aus der der Tradition neue Funken schlagen lassen.

Ohne auf die vielen verdörrten Olivenbäume länger einzugehen ist Salento eine Region die weitergekämpft und sich weiterentwickelt hat.

Sie wurde über Jahrtausende von Handel, Migration und Eroberungen geprägt.

Ich habe schon viele Kirchen besucht, aber die Kirchen in Salento haben es in sich.

Unzählige mythologische Gestalten und feinste Reliefs überziehen den hellen Stein in einer immensen Dichte.

Offensichtlich hinterließen Griechen, Messapier, Römer und Spanier ihre Spuren auch in der Küche.

Es sind keine leichten Zeiten für die Gastronomie, aber hier bleibt überall Gastlichkeit Trumpf.

Hier wird ausgezeichnete Küche in einem Ambiente, dass Genuss, Geschichte und Atmosphäre verstrahlt, einzigartig gebündelt.

Wow, selten habe ich in sovielen Restaurants so gut gegessen.

Einen kleinen Vorgeschmack auf auf alles, was es hier zubereitet wird gibt es hier zu sehen (Photo).

Für leidenschaftliche Koffein Junkies wie mich gibt es auch etwas besonderes zu geniessen.

Den Caffe Leccese.

Was ist das denn?

Ein italienischer Eiskaffee – aus der Region Salento bzw. Apulien – mit Mandelsirup.

Einfach bellissimo.

Olivenbäume bestimmen die Landschaft, kleine Städte mit barocken Fassaden öffnen sich hinter engen Gassen, und immer wieder tauchen die weiß gekalkten Masserien auf.

Das Essen ist hier kein Programmpunkt zwischen zwei Sehenswürdigkeiten.

Wer Salento verstehen möchte, sollte viel Zeit mitbringen, da Genuss und das Essen immer etwas länger dauert.

Danach ging es zum Strand.

Die Strände des Salento gehören zu den schönsten Italiens, doch sie erzählen nur einen Teil der Geschichte.

Etwas sonnengeküsst, checken wir dann beim „Barone“ ein.

Unser Hotel war ein richtiges Hideaway auf Zeit.

Das Hotel & Resort Barone di Mare liegt nahe Torre dell’Orso direkt an der Adriaküste.

Die Anlage wirkt wie ein kleines mediterranes Dorf mit einem Pool im Zentrum des Resorts.

Niedrige weiße Gebäude gruppieren sich um ruhige Innenhöfe, Palmen säumen breite Wege in südlicher Gelassenheit.

Die Inhaber zählen zu jenen Familien, die bereits in einer Zeit auf Salento setzten, als der Landstrich touristisch kaum erschlossen war.

Lange bevor internationale Reisemagazine die Region für sich entdeckten, investierten sie in eine Form des Tourismus die die Landschaft bewahren sollte.

Gut geschlafen haben wir.

Am nächsten Morgen ziehen wir los um die Kultur und das Handwerk der Region kennenzulernen.

Klassiker wie die Francavilla Fontana hatten immer ihren Platz.

Sie umschmeichelt den Besucher mit einem angehehmen Geruch.

Der süße Duft karamellisierten Zuckers liegt in der Luft.

Er begleitete uns in den Innenhof des Castello Imperiali, wo Gianni Tardio über einem alten Kupferkessel steht und eine der bekanntesten Spezialitäten der Stadt herstellt: Confetto Riccio.

Schicht für Schicht überzieht Tardio Mandeln aus Apulien mit heißem Zucker, bis jene Oberfläche entsteht, die dem Confetti Riccio ihren Namen gibt.

Seine Bewegungen folgen einem Rhythmus, der eher an eine liturgische Handlung erinnert als an industrielle Produktion. Jede Drehung des Kessels, jede neue Zuckerschicht geschieht mit derselben Ruhe, die offenbar seit Generationen weitergegeben wird.

Gerade solche Augenblicke erklären den Salento.

Während vielerorts Tradition zum touristischen Schauspiel geworden ist, wirkt sie hier sehr natürlich.

Dann ging es wieder in eine der vielen Masserien.

Ursprünglich waren sie landwirtschaftliche Höfe, die zugleich Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude bildeten.

Heute erleben viele dieser Anwesen eine zweite Blüte. Sie wurden sorgfältig restauriert und dienen als Hotels, Restaurants oder Weingüter, ohne ihre ursprüngliche Funktion zu verlieren.

Die Masseria Tredicina gehört zu jenen Orten, an denen sich Vergangenheit und Gegenwart beinahe mühelos verbinden.

Dicke Natursteinmauern schützen vor der Sommerhitze, hohe Bäume spenden Schatten, und zwischen den Gebäuden öffnet sich der Blick auf Felder und Olivenhaine.

Nichts wirkt dekorativ arrangiert; vielmehr scheint sich die Architektur selbstverständlich aus der Landschaft entwickelt zu haben.

Auch die Küche folgt diesem Motto.

Serviert werden Gemüse aus eigenem Anbau, regionale Käsesorten, kräftiges Olivenöl und frische Pasta.

Und Klassiker wie die Orecchiette, jene kleinen, handgeformten „Öhrchen“, haben ihren Platz auf der Karte behalten.

Sie stehen für die kulinarische Kultur Apuliens, auf handwerklicher Präzision und der Qualität weniger Zutaten.

Korrespondierende Lieblingsweine sind immer regionale Weine der Region.

Es besteht kein Bedürfnis, traditionelle Gerichte neu zu interpretieren oder spektakulär zu inszenieren.

Gute Produkte gelten nicht als Ausgangspunkt kulinarischer Experimente, sondern als Wert an sich.

Wenn eine Tomate im Hochsommer ihr volles Aroma entfaltet oder ein Olivenöl die Frische der Ernte bewahrt, erscheint jede Veränderung überflüssig. Natütlich kann man die Zutaten auch zu einem Gericht verwandeln, sterneverdächtig wird dann ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Am Abend setzt sich diese Erfahrung in der Masseria Messapia bei Mesagne fort.

Zunächst kommen zahlreiche kleine Vorspeisen auf den Tisch: gegrillte Zucchini, marinierte Artischocken, Auberginen, Ricotta, Pecorino und knuspriges Brot, begleitet von feinem Olivenöl.

Danach folgen hausgemachte Pasta und langsam geschmorte Fleischgerichte.

Bemerkenswert ist dabei die Vielfalt als die Selbstverständlichkeit, mit der gekocht wird.

Es entsteht jene stille Form kulinarischer Qualität, die aus Erfahrung und dem Vertrauen in bewährte Produkte erwächst.

Sie erinnert daran, dass kulturelle Identität nicht aus permanenter Neuerfindung entsteht, sondern aus dem Wissen, welche Traditionen bewahrenswert sind und weshalb sie über Generationen Bestand hatten.

Tipp der Redaktion: Einfach mal Salento bereisen, es lohnt sich.

Wir kommen ganz schnell wieder.

Meine Recherchereise wurde von den Tourismusverbänden Meditereaneantourism.it unterstützt.

https://www.mediterraneantourism.it

Der Inhalt dieses Artikels ist davon unbeeinflusst.

Informationen und Buchungen

Hotel:

www.baronedimare.it

Belvedere Salento

www.hotelbelvederesalento.com

Genuss und Kultur:

1. Masseria Corsano

www.masseriacorsano.com 

2. Masseria Berzario

www.masseriaberzario.it

3. Agriturismo Masseria Tredicina

www.masseriamessapia.it

4. Pasticceria Dentoni

www.pasticceriadentoni.shop

5. Cantina Conti Zecca

www.contizecca.it

6. Cantina Palamà

www.vinicolapalama.it

7. Simone Santoro Vini

Contrada Tagliavanti

www.simonesantoroenologo.it

8. Melograni Martino

www.melogranimartino.com

Wasserausflug mit Boot

1. Inzia & Lupodimare

Via Cosimo Albano

www.taxiboat.org

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