Ein Artikel von Jens Hoffmann
Als ich Steg auf das Boot hüpfte, strahlte mich der Kapitän an.
Es gibt Seen, die nicht allein durch ihre Schönheit wirken, sondern durch jene eigentümliche Aura, die sich jeder unmittelbaren Beschreibung entzieht.
Sie besitzen eine stille Autorität, eine Selbstverständlichkeit der Erscheinung, die den Besucher weniger überwältigt als vielmehr in einen Zustand konzentrierter Aufmerksamkeit versetzt.
Der Comer See und der Lago Maggiore gehören zu diesen seltenen Orten Europas.
Sie sind keine spektakulären Naturwunder im alpinen Sinn, keine dramatischen Kulissen der Extreme.
Ihre Größe liegt vielmehr in der vollkommenen Balance von Wasser und Gebirge, von Architektur und Vegetation, von Geschichte und Gegenwart.
Hier scheint die Landschaft selbst über Jahrhunderte hinweg zu einer Bühne geworden zu sein, auf der sich europäische Kultur-, Geistes- und Machtgeschichte in immer neuen Akten entfaltet hat.
Opernsänger, Popstars, Industrielle, Schriftsteller und Philosophen sind immer gerne zu Besuch.
Zwischen den steilen Berghängen und dem tiefen Blau der Seen jene seltene Verbindung aus Abgeschiedenheit und Weite, die Gedanken ordnet und Maßstäbe verschiebt. Konrad Adenauer etwa verbrachte zahlreiche Sommer in der Villa La Collina oberhalb des Comer Sees. Fern der täglichen Regierungsgeschäfte Bonns entstanden hier Überlegungen, die weit über den politischen Augenblick hinausreichten. Während unten das Wasser nahezu reglos in der Sonne lag, öffnete sich über den Gipfeln des Engadins ein Horizont, der den Blick unwillkürlich aus der Enge des Tagesgeschäfts hinausführte. Die Landschaft wurde zum Resonanzraum politischen Denkens.
Doch Adenauer war keineswegs der Erste, der den besonderen Charakter dieser Seen erkannte. Bereits lange zuvor hatten Fürsten, Feldherren und Diplomaten die Region als Ort repräsentativer Zurückgezogenheit entdeckt. Napoleon Bonaparte residierte auf der Isola Bella im Palazzo Borromeo, Winston Churchill kehrte immer wieder an den Comer See zurück, internationale Konferenzen fanden in den Grandhotels von Stresa statt, während sich in den Salons von Cernobbio Politiker, Unternehmer und Intellektuelle begegneten. Es ist, als hätte sich in den Wassern dieser Seen über Jahrhunderte ein kaum wahrnehmbares Sediment europäischer Machtgeschichte abgelagert – nicht aufdringlich, sondern als feiner Nachhall vergangener Epochen.
Vielleicht liegt die Anziehungskraft auch in der Geographie selbst. Der Comer See schneidet sich mit einer Tiefe von über vierhundert Metern in das Gestein der Südalpen ein, der Lago Maggiore folgt ihm nur wenig nach. Beide Seen entstanden aus den gewaltigen Gletscherbewegungen der letzten Eiszeit und besitzen jene langgestreckte Form, die den Blick unaufhörlich in die Ferne zieht. Die steilen Berghänge lenken das Licht wie natürliche Reflektoren auf die Wasseroberfläche; morgens steigt der Dunst langsam aus den Tälern, mittags schimmern die Fassaden der Uferorte in hellem Ocker, während sich gegen Abend das Gebirge in ein fast unwirkliches Blau zurückzieht. Jede Stunde verändert den Charakter der Landschaft, ohne ihren eigentlichen Ausdruck zu verändern.
Gerade diese Verbindung von Beständigkeit und Wandel verleiht den Seen ihre eigentümliche Würde. Nichts wirkt hier zufällig. Die Villen schmiegen sich an die Hänge, als seien sie aus dem Gestein gewachsen; Zypressen setzen dunkle vertikale Akzente zwischen Magnolien, Kamelien und Zedern; die romanischen Kirchtürme der kleinen Orte erscheinen wie Orientierungspunkte einer Landschaft, deren Harmonie weniger geplant als über Jahrhunderte kultiviert wurde. Bellagio, Menaggio, Varenna oder Cernobbio entfalten ihre Schönheit nicht in monumentalen Gesten, sondern in der Vollkommenheit des Details – einer Arkade, einer steinernen Freitreppe, einem von Glyzinien überwachsenen Balkon oder dem Spiel des Lichts auf verwittertem Naturstein.
Den vielleicht eindrucksvollsten Ausdruck aristokratischer Selbstinszenierung bieten die Borromäischen Inseln im Lago Maggiore. Die Isola Bella erhebt sich wie eine steinerne Vision aus dem Wasser. Ihr barocker Terrassengarten steigt in zehn Ebenen zum Himmel empor, geschmückt mit Skulpturen, Brunnen, exotischen Pflanzen und den berühmten weißen Pfauen, die sich seit Jahrhunderten frei zwischen den Bosketten bewegen. Der Palazzo Borromeo selbst ist weniger ein Schloss als ein steingewordenes Bekenntnis zur Idee repräsentativer Herrschaft. Jeder Saal, jede Spiegelgalerie, jedes Fresko erzählt vom Anspruch einer Familie, deren Einfluss über Generationen hinweg Politik, Wirtschaft und Kultur Norditaliens prägte.
Und doch liegt gerade in der Gegenwart eine leise Pointe dieser Geschichte. Wo einst Fürsten Hof hielten, flanieren heute Besucher aus aller Welt. Die Säle der Macht sind zu öffentlichen Räumen geworden, ihre Gärten zu Orten kontemplativer Spaziergänge. Die Demokratisierung Europas zeigt sich vielleicht nirgendwo eleganter als in der stillen Selbstverständlichkeit, mit der sich Reisende heute auf Marmortreppen bewegen, die einst ausschließlich den Eliten vorbehalten waren.
Der Comer See wiederum besitzt eine andere, zurückhaltendere Noblesse. Seine Villen – Balbianello, Carlotta, Melzi oder d’Este – verzichten auf barocke Überwältigung zugunsten klassischer Eleganz. Hier begegnet man jener italienischen Kultur des Maßes, die Reichtum niemals laut ausstellt, sondern in Proportionen übersetzt. Terrassengärten öffnen sich zum Wasser, alte Zedern werfen Schatten auf Kieswege, Marmorstatuen stehen zwischen Buchshecken, während hinter ihnen die Alpen aufsteigen. Architektur und Landschaft gehen eine Verbindung ein, in der keine die andere dominiert.
Auch die Stadt Como selbst erzählt von dieser langen europäischen Kontinuität. Die romanische Kirche San Fedele verweist auf das frühe Mittelalter, der Dom auf die Blüte lombardischer Baukunst, während Alessandro Volta, der berühmteste Sohn der Stadt, mit seiner Erfindung der elektrischen Batterie den Übergang in die wissenschaftliche Moderne markiert. Kaum irgendwo liegen Natur, Kunst und Erkenntnis so selbstverständlich nebeneinander wie an diesen Ufern.
Nicht minder faszinierend ist der nördliche Lago Maggiore, wo sich oberhalb Asconas der Monte Verità erhebt. Um die Wende zum 20. Jahrhundert entstand dort eine der außergewöhnlichsten geistigen Kolonien Europas. Vegetarier, Theosophen, Tänzer, Dichter und Anarchisten suchten fern der Konventionen nach neuen Lebensformen und machten den Hügel zu einem Laboratorium der Moderne. Hermann Hesse, Rudolf von Laban, Erich Maria Remarque und zahlreiche andere fanden hier zeitweise einen Ort geistiger Freiheit. Die Landschaft wurde zum Experimentierraum, in dem Natur nicht Kulisse, sondern philosophisches Programm war.
Vielleicht erklärt gerade diese ungewöhnliche Dichte an Geschichte, Kunst und geistigem Leben die bis heute ungebrochene Anziehungskraft der oberitalienischen Seen. Sie bieten weit mehr als landschaftliche Schönheit. Sie erzählen von Kontinuität in einer Zeit permanenter Beschleunigung, von Maß in einer Epoche der Übersteigerung und von einer Kultur, die ihre Größe niemals laut behaupten musste.
Wer am Abend auf einer Terrasse oberhalb des Comer Sees sitzt, den Blick über das langsam dunkler werdende Wasser schweifen lässt, oder auf dem Lago Maggiore beobachtet, wie die letzten Sonnenstrahlen die Fassaden der Borromäischen Inseln vergolden, begreift, dass manche Landschaften nicht nur Erinnerungen hinterlassen. Sie verändern die Wahrnehmung von Zeit. Das Wasser scheint hier langsamer zu fließen als anderswo, die Berge älter, die Architektur selbstverständlicher. Vielleicht liegt genau darin ihr Geheimnis: Sie erinnern daran, dass wahre Größe niemals in der Geste liegt, sondern in der Dauer.
Good morning everyone, I hope your journey home went well.
It was a real pleasure to welcome you to our region and to help you discover the different aspects of the Italian side of Lake Lugano, Lake Como and the Brianza area. As agreed, please find below the details of the programme organized by the Chamber of Commerce of Como-Lecco, and the relevant references so that you can include them in your forthcoming articles.Tuesday 16 June
Arrival by boat in Porlezza (departure from Lugano)
Short walk, then departure by minivan for Oria Valsolda end Visit of the Villa Fogazzaro https://fondoambiente.it/luoghi/villa-fogazzaro-roi (with Anna Maggi)
Dinner and overnight at the Parco San Marco Hotel in Porlezza https://www.parco-san-marco.com/it/home/
Wednesday 17 June
Departure for Menaggio
Boat tour in the centre of the lake (Menaggio Water Taxi https://www.menaggiowaterlimousine.com/ email menaggiowatertaxi@gmail.com )
Visit to the Museo della Barca Lariana in Pianello del Lario https://www.museobarcalariana.it/
Lunch at the Sorsasso winery in Domaso https://www.sorsasso.com/ (Silvia Travi took car of us)Visit of Santa Maria del Tiglio church in Gravedona and Piona Abbey (with Brian Subinaghi)
Dinner and overnight stay at Cascina Borgofrancone https://www.cascinaborgofrancone.com/
Thursday 18 June
Departure for Garlate and bike tour to Imbersago. ( Bike tour organized by Giraingirobike https://giraingirobike.it/ Maurizio and Antonella ).In Garlate we met Francesca Zuccoli of the Lecco Tourism Board (if you need specific info about Lecco and the area, her email is francesca.zuccoli@leccotourism.it)
Imbersago: Traghetto di Leonardo-Leonardo ferry experience https://prolocoimbersago.it/
Light lunch at Agriturismo Il Ronco in Garlate https://agriturismoilronco.it/
14.00 Departure
Hoping to meet you again soon, we remain at your disposal for any further information and, thanking you for taking part in our initiative, we send our warmest regards.
Monica Neroni
Monica Neroni
u.o. Promozione Economica
tel. 031/256304
monica.neroni@comolecco.camcom.it
