Tipps für Geniesser
Ein Artikel von Jens Hoffmann
Auf der Suche nach dem Gold von Modena entdeckten wir die Langsamkeit des Lebens.
Das ist es, was gestresste Menschen brauchen.
Abkehr vom Protokoll, Entspannung und Zeit, die man in Modena sogar schmecken kann.
Wow.

Modena zeigt, wie sich aus einer traditionellen Flüssigkeit Funken schlagen lassen.
Die Straßen aus Modena führen hinaus in eine Landschaft, die wunderschön ist und etwas unspektakulär erscheintt: flaches Land, Felder, Bauernhöfe, Zypressen, Häuser hinter Mauern.

Kein großes Panorama, keine dramatische Natur. Und doch ist dies eine Stadt, deren Bedeutung sich sofort offenbart.
Hier sieht man was aus Trauben, Holz und Geduld entsteht.

Kaiser, Herzöge und Geniesser wussten, in Modena wächst nicht nur Wein.

Hier wird Zeit gelagert. Die Luft ist warm. Sie riecht nach Holz und reifen Früchten, nach Süße, nach etwas Dunklem und Schwerem, das sich nicht sofort benennen lässt.
Dann sieht man die Fässer.
Sie stehen in Reihen. Einige sind klein genug, dass man sie mit Händen tragen kann.
Andere sind breit und schwer, vom Alter dunkel verfärbt.

In ihrem Inneren ruht etwas, das einmal Traube war.
Most, gekocht, konzentriert und perfekt verwandelt.
Und nun wartet er. Bis zu fünfundzwanzig Jahren.
Man könnte sagen: Die Italiener haben eine Flüssigkeit erfunden, in der sich Vergangenheit konservieren lässt.
Balsamico, ein Liebesgedicht.
Vielleicht aber auch nur die Beschreibung für etwas, dass viel erzählt.
Modena ist eine Stadt, die zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen von Zeit miteinander verbindet.

Tradition und Geschwindigkeit, Ferrai und Motorsport.

Die roten Automobile, die wenige Kilometer entfernt zu Ikonen der Beschleunigung geworden sind.
Maschinen, deren Schönheit in Bewegung entsteht, deren Sinn darin liegt, schneller zu sein als die anderen.
Und dann gibt es den Balsamico.
Niemand möchte, dass etwas schneller reift.
Der Aceto Balsamico braucht Jahre.
Vielleicht ist das der schönste Widerspruch dieser Stadt.
In der Heimat von Ferrari wird eine der berühmtesten Spezialitäten des Landes nach einem Prinzip hergestellt, dass jeder Rennfahrer verachtet:
Langsamkeit.
Die Geschichte des Balsamico beginnt lange vor dem Ferrari.
Die Römer kannten bereits die Kunst, Traubenmost über dem Feuer einzukochen und zu konzentrieren.
Solche Zubereitungen dienten in der Küche als Süße, Würze und Begleiter von Speisen; manche wurden auch medizinisch verwendet.
Der Grundgedanke war einfach: Aus Trauben ließ sich eine Flüssigkeit gewinnen, die süßer, dichter und haltbarer war.
Die Geschichte des Balsamico ist deshalb vielleicht weniger die Geschichte einer Erfindung als die Geschichte der Modifikation.
Jede Generation fügte etwas hinzu.
Ein kurzer Ausflug in die Historie:
Im Jahr 1046 begann die berühmtesten Geschichten des Balsamico von Modena.
Heinrich III., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, war auf dem Weg nach Rom. Während seines Aufenthalts in der Po-Ebene hörte er von einem außergewöhnlichen Essig.
Er wollte ihn kosten.

Bonifatius von Canossa, der mächtige Markgraf und Vater der berühmten Mathilde von Canossa, ließ dem Kaiser daraufhin einen besonderen Essig zukommen.
Die Szene hat etwas beinahe Filmisches.

Ein Kaiser auf der Reise nach Italien.
Ein Fürst, auf der Suche nach einer Flüssigkeit die etwas Besonderes ist.
Schon im Mittelalter war der Balsamico kostbar genug, um als Geschenk an einen Kaiser zu genügent.
Modena wurde zu einer Residenzstadt, zu einem Ort von Zeremoniell, Kunst und Macht.
Und der Balsamico fand seinen Weg in die Welt.
Heute ist Balsamico längst aus den Kellern Modenas hinaus in die Welt gegangen.
Er wird in über 120 Ländern vertrieben und ist mehr als ein Speisebegleiter für den Salat.
Balsamico ist etwas Genussvolles, Kostbares, Wohltuendes.
Wie ein Ferrari.

Der geschützte Aceto Balsamico di Modena IGP darf ausschließlich in den Provinzen Modena und Reggio Emilia hergestellt werden; die Bezeichnung ist seit 2009 europäisch geschützt.
Er ist der Geschmack von Modena.
Der Geschmack einer Landschaft, die gelernt hat, aus Zeit einen Wert zu machen.
Eine Flüssigkeit, die einst aus Trauben entstand und nun etwas viel Abstrakteres bewahrt:
Geduld und Handwerk.
Und die Erkenntnis, dass manche Dinge gerade deshalb kostbar werden, weil man sie reifen lässt.
Die Pressereise wurde von der Agentur HOPSCOTCH aus Düsseldorf unterstützt.
Die Berichterstattung blieb davon unberúhrt.
