Sevilla, me gusta.

Text: Jens Hoffmann

Ich nehme es vorweg, Abkehr vom Protokoll, totale Entspannung und viel Historie.

Wow!

Sevilla blickt auf eine Geschichte zurück, die weit in die Antike reicht.

Gegründet wurde die Stadt im ersten Jahrtausend vor Christus.

Unter dem Namen „Colonia Iulia Romula“ entwickelte sie sich zur Zeit Julius Cäsars und auch in den folgenden Jahrhunderten zu einer der bedeutendsten Städte im Süden der Iberischen Halbinsel.

Nach der Herrschaft der Römer fiel Sevilla an die Westgoten.

Im Jahr 712 eroberten die Mauren die Stadt und mit ihr große Teile Andalusiens.

Sie nannten Sevilla „Išblliyya“ und machten sie zum politischen Zentrum der Provinz.

Anders als viele andere Regionen der Iberischen Halbinsel geriet Sevilla allerdings vergleichsweise früh wieder unter christliche Herrschaft: 1248 wurde die Stadt von Ferdinand III. erobert.

Das halbe Jahrtausend maurischer Herrschaft hat dennoch tiefe Spuren hinterlassen.

Zahlreiche Bauwerke und Sehenswürdigkeiten zeugen bis heute von dieser Epoche.

Später kamen Elemente der Gotik, der Renaissance, des Barock und weiterer Epochen hinzu. Sevilla ist damit weniger ein geschlossenes historisches Ensemble als vielmehr ein architektonisches Palimpsest, in dem sich die Jahrhunderte überlagern.

Die Zahl der Sehenswürdigkeiten ist so groß, dass man mehrere Tage einplanen sollte, will man wenigstens die wichtigsten von ihnen in Ruhe kennenlernen. Schon der Bezirk Santa Cruz bietet dafür genügend Stoff. Das einstige Judenviertel wird von einem Gewirr enger, verwinkelter Gassen geprägt, in denen man sich leicht verliert und gerade deshalb gern aufhält. Ganz anders präsentiert sich die Calle de Sierpes, eine der bekanntesten Geschäftsstraßen der Stadt, auf der es zu fast jeder Tageszeit lebhaft zugeht.

Über den Dächern von Sevilla ist die Giralda kaum zu übersehen. Der 97 Meter hohe Turm ist das Wahrzeichen der Stadt und heute der Glockenturm der Kathedrale Santa María de la Sede.

Ihr Bau ging aus einer früheren Moschee hervor; von dem islamischen Gotteshaus blieb insbesondere das Minarett erhalten, das später zur Giralda umgestaltet wurde. Die Kathedrale gehört gemeinsam mit dem Alcázar und dem Archivo General de Indias zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Im Inneren beeindrucken vor allem die kunstvollen Glasfenster, die reich ausgestatteten Seitenkapellen und die gewaltige Orgel. Auch die 22 Glocken der Giralda gehören zum besonderen Klangbild der Stadt.

Nicht weit entfernt liegt der Alcázar, der ehemalige maurische Palast, der zu den eindrucksvollsten Bauwerken Sevillas zählt. Seine Geschichte reicht über mehrere Epochen hinweg, und gerade diese Mischung macht seinen Reiz aus. Ergänzt wird das architektonische Panorama der Stadt durch moderne Akzente wie das Metropol Parasol sowie durch die repräsentative Plaza de España.

Zu den weiteren bedeutenden Bauwerken zählt das Archivo General de Indias, das historische Archiv der spanischen Überseereiche. Wer sich für die Geschichte Spaniens und seiner ehemaligen Kolonialwelt interessiert, findet hier einen Ort von besonderem Rang.

Unbedingt den Torre del Oro besuchen.

Der mittelalterliche Wachturm am Guadalquivir gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Sevillas.

Ebenfalls sehenswert ist die große Stierkampfarena. Man muss dafür keineswegs einer Corrida beiwohnen: Schon aus architektonischer Sicht ist die traditionsreiche Anlage bemerkenswert.

Deutlich werden die kulturellen Einflüsse hier:

Casa de Pilatos.

Der andalusische Adelspalast vereint Elemente der maurischen Baukunst, des Mudéjar und der Renaissance zu einem ungewöhnlichen und ausgesprochen reizvollen Ensemble. Auch der erzbischöfliche Palast, das Teatro de San Francisco, das Colegio de San Telmo und die Plaza de América verdienen einen Besuch.

Die Stadt erschließt sich auch in ihren Pausen. Und diese verbringt man am besten so, wie es sich für Sevilla gehört: mit Fisch, Tapas und einem Glas Wein.

Die Kuliarik, gehört zu den Dingen, mit denen Sevilla seine eigene Geschichte erzählt.

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