Die 12 besten Weinbars in Berlin

Text: Serhat Aktas

Captain Cork schickte seinen Weintester Serhat Aktas (ausgebildeter Sommelier) los, um die wichtigsten Weinlokale der Stadt abzuchecken. Hier ist die Liste.

Das nächste Weingebiet liegt Hunderte Kilometer weit weg – abgesehen von ein paar kümmerlichen Rebstöcken, die in der Gegend wachsen. Dennoch ist Berlin Weinhauptstadt. Lokale, die auf Wein spezialisiert sind, schießen aus dem Boden. Zeit, um das wachsende Angebot zu prüfen.

1: Schwein

Vom Wein zum Schwein ist es nicht weit, dachten sich die Gründer dieser Weinbar und haben sich ein kühnes Konzept ausgedacht: Wein, Essen und Longdrinks in einem Lokal. Auf der Karte stehen 100 verschiedenen Gin-Sorten. Das ist eine fette Ansage. Hinzu kommt ein internationales Sortiment mit 130 trockenen bis süßen Weinen. Ich finde hier vor allem die vielen autochthonen Rebsorten und Natural Wines interessant. Der Gast sitzt zwischen zwei Bars. Auf der linken Seite die Spirituosen-Bar mit einem Barmann, der sein Handwerk versteht. Auf der rechten Seite die Wein-Bar mit dem exzellenten Sommelier Emmanuel Rosier. Was kann da noch schief gehen? Zum Essen gibt es warme, regionale Küche. Ich mag das Potsdamer Weideschwein. Die Bar ist mit 60 Sitzplätzen weder zu groß noch klein, hat also die optimale Größe. Im Sommer kann man auch in der ruhigen Seitenstraße in Berlin-Mitte draußen sitzen.

Meine Weinempfehlung im Schwein: Hauswein Riesling „Christ“ aus Rheinhessen. Das Weingut wird nicht verraten. Adresse: Elisabethkirchstraße 2, 10115 Berlin.

2: Thal

Wie, das ist ein Italiener? Ja, ein verdammt ordentlicher sogar. Die Weinbar Thal in Charlottenburg ist klein aber sowas von fein. Ein echter Geheimtipp. Abgesehen von köstlichen Häppchen kann man hier richtig gute italienische Weine trinken, was in der deutschen Gastronomie gar nicht so einfach ist. Ich trinke hier oft die Hausweine vom Weingut Masari im Veneto. Das Interieur besteht aus hohen Tischen und Hockern für bis zu 25 Gästen. Das Licht ist warm und die Atmosphäre gemütlich. Und man darf den jungen Wirten Adriaan Held und Michael Neunhäuserer ruhig mit Fragen auf die Nerven gehen.

Meine Empfehlung im Thal: Fiano di Avellino von Pietracupa/ Kampanien. Adresse: Wielandstraße 38, 10629 Berlin.

3: Lavida

Hier arbeite ich im Service, bin also befangen. Der Captain meinte aber, das sei ihm egal, weil der Laden gut ist. Er muss es wissen, denn er ist Stammgast. Das Lavida ist eine unentdeckte Weinbar direkt am Gendarmenmarkt mit 25 offenen Weinen, die immer wieder wechseln. Man bekommt eine Chipkarte mit der man zu den so genannten Dispensern (Foto unten) geht, sich den Wein und die Menge zwischen 30, 100 und 200 ml auswählt und selber zapft. Keine Angst, ist gar nicht kompliziert und ich helfe gerne, wenn ich da bin. Außerdem stehen mehr als 200 Flaschen im Sortiment. Es gibt leckere Tapas, Antipasti und 24 Monate gereifter San Danielle-Schinken. Mit 15 Tischen bietet der Lavida Wine Club 35 Sitzplätze innen und etwa 15 draußen an.

Meine Empfehlung im Lavida: Vacqueyras (Grenache, Syrah, Mourvèdre) von der Domaine LePlan/ Rhône. Adresse: Taubenstraße 20, 10117 Berlin.

4: Weinkehr

Ein Laden mitten im Friedrichshainer Kiez, erreichbar mit vielen Öffis aus allen Himmelsrichtungen. Das Sortiment besteht fast nur aus Rheingau. Warum? Wirt Karsten Eigler kommt aus dem Rheingau und möchte Botschafter der Rheingauer Weine in Berlin sein. Mit den Winzern auf seiner Karte ist er aufgewachsen, sagt er. Trotzdem gibt es ab und an auch Flaschen aus anderen Regionen. Einfach nachfragen. Das tolle an dieser Weinbar ist ein Sortiment mit mehr als 50 Weinen, die man fast alle auch glasweise bekommt. Essen gibt es auch – vom kleinen Winzerhappen bis zur großen gemischten Platten mit Käse, Wurst und Schinken und Oliven. Das Flair dieser Bar ist sehr vergnüglich und locker, wie in einem Wohnzimmer. Es gibt Kissen, Decken und eine Couch. Man muss achtgeben, dass man nicht einschläft.

Meine Empfehlung im Weinkehr: Hattenheimer Schützenhaus Riesling Kabinett trocken vom Weingut Schumann-Nägler. Adresse: Simplonstraße 23, 10245 Berlin.

5: Les Climats

Eine häuslich eingerichtete Weinbar in Schöneberg mit Holzfußboden und tollen burgundischen Weinen. Man kann sich sowohl an einen Tisch als auch direkt an die Bar setzen. Wenn es wieder wärmer wird, nimmt man die Weine mit raus. Das Sortiment besteht überwiegend aus Chardonnay, Pinot Noir und sogar der eher seltenen Rebsorte Aligoté aus dem Burgund. Die regionalen Schwerpunkte neben der Bourgogne sind Loire, Rhône, Elsass und Beaujolais. Inhaber Roland Kretschmer kennt jeden einzelnen seiner Lieferanten persönlich und importiert direkt vom Weingut. Auf die Teller gibts Käse aus Frankreich, verschiedene Quiche-Sorten, leckere französische Suppen und Eintöpfe wie etwa Bœuf bourguignon. Übrigens: Climats sind die präzise begrenzten Weinbergsparzellen im Burgund, also Einzellagen. Da Les Climats auch eine Weinhandlung ist, kann man jede Flasche mitnehmen oder für einen Aufpreis im Lokal trinken.

Meine Empfehlung im Les Climats: Aligoté von der Domaine Thévenot-Le Brun et Fils/ Burgund. Adresse: Pohlstraße 75, 10785 Berlin.

6 und 7: Not Only Riesling

Nicht nur Riesling? Ja, hier gibt es mehr. Abgesehen von den gängigen Rebsorten wie Spätburgunder, Chardonnay oder Sauvignon Blanc, erhält man auch seltenere Gewächse wie Elbling oder Nero di Troia. Inhaber Frank Böhm ist ein großer Fan von deutschen Weißweinen. Deshalb kommt hier alles Weiße aus deutschen Landen. Bei den Rot-und Roséweinen reicht das Sortiment über die Landesgrenzen hinaus. Das Angebot der offenen Weine wechselt regelmäßig, deswegen einfach nachfragen. Die Wein-Vesper besteht aus verschiedenen Käsesorten, Jahrgangssardinen aus der Bretagne oder Leberpastete. Samstags gibt es in Kreuzberg sogar frische Austern und Matjessalat.

Meine Empfehlung im NOR: Olè Olà (Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon) vom Weingut Bergdolt-Reif & Nett/ Pfalz. Adressen: Pestalozzistraße 85, 10625 Berlin (Charlottenburg) und Schleiermacherstraße 25, 10961 Berlin (Kreuzberg).

8: Ottorink

In einer eher unscheinbaren kleinen Straße ganz in der Nähe vom Kotti befindet sich die Ottorink Weinbar. Gedimmtes Licht, Holzfußboden, Holzstühle, rustikal, eine persönliche und legere Bedienung, eben ganz einfach Kreuzberg. Eine Weinkarte gibt es hier nicht, sondern eine vollgeschriebene Wand. Hat man sich hingesetzt, bekommt man gleich eine Karaffe Wasser. Das ist sehr sympathisch. Das WC ist mit humorvollen Weinsprüchen verziert, die sehr amüsant sind. Schwerpunkt ist Deutschland, trotzdem bekommt man auch etwas aus Frankreich, Spanien und sogar ein paar Flaschen aus Serbien. Dazu gibt es Oliven, Käse und Schinken.

Meine Empfehlung im Ottorink: Riesling vom St. Urbans-Hof/ Mosel. Adresse: Dresdener Str. 124, 10999 Berlin

9: Cordobar

Ein Blick in die Ehrfurcht gebietende Weinkarte lässt den Neuling erstmal vor Schreck erstarren. Aber keine Sorge, in der Cordobar gibt es auch glasweise jede Menge Wein von besonderer Güte. Auch biodynamisch erzeugte Tropfen. Und nicht mal übertrieben teuer. Auch die Küche ist mehr als interessant. Handgetauchte Jakobsmuscheln in Koji (ein spezieller Schimmelpilz aus dem asiatischen Raum) oder gegrillte Wildente gefällig? Oder etwa die Blutwurstpizza? Sie ist der köstliche Klassiker des Hauses, in dem es manchmal recht eng wird. Trotzdem meistert das Personal den Andrang mit bewundernswerter Freundlichkeit.

Meine Empfehlung in der Cordobar: Grüner Veltliner Pot des Fleurs vom Weingut Jurtschitsch/ Kamptal. Adresse: Große Hamburger Str. 3, 10115 Berlin.

10: Rutz

In der Weinbar Rutz muss man sich entscheiden. Möchte man in dem Zwei-Sterne-Restaurant essen und guten Wein trinken, so muss man zum ersten Obergeschoss hoch. Möchte man einen Abend mit leckeren Weinen und einer kleinen Speise dazu genießen, so bleibt man unten. Billig ist beides nicht. Aber gut. Das Besondere hier? Es gibt viele Weine aus bis zu 10 verschiedenen Jahrgängen. So hat man beispielsweise die Möglichkeit den 2014er Riesling Rothenberg vom Weingut Kühling-Gillot mit einem 2009er oder 2002er zu vergleichen. Sommelier Alexander Seiser hat 800 Positionen unter seinem Kommando und weiß sie gut zu pflegen. Die Speisekarte bietet beispielsweise Käse, Hirschschinken, und verschiedene Salate. Für den großen Hunger wird Wollschweinerippchen, leckere Schulter vom Brandenburger Ochsen oder ein Stück edel gereiftes Steak serviert. Alle Speisen kommen aus der Zwei-Sterne-Küche!

Meine Empfehlung für die Rutz-Bar: Riesling Blauschiefer vom Weingut Clemens Busch/ Mosel. Adresse: Chausseestraße 8, 10115 Berlin.

11: Hermanas

Eine argentinische Weinbar mit 20 Sitzplätzen, schummrigem Kerzenlicht, traditioneller Musik (manchmal live) und einer ausgesuchten kleinen Weinkarte. Das Sortiment wird von sieben argentinischen Weingütern gestellt. Die Inhaberin Sofia Fernandez kennt ihre Winzer persönlich und ist teilweise mit ihnen aufgewachsen. Es gibt typische argentinische Snacks und Tapas: Montaditos, Empanadas, verschiedene Sorten Schinken, Wurst und Käsespezialitäten. Oder süßer argentinischer Brotpudding mit Schoko- Karamellsoße.

Meine Empfehlung im Hermanas: Malbec Finca La Florencia vom Weingut Familia Cassone in Malbec/ Mendoza. Adresse: Warschauer Str. 81, 10243 Berlin

12: Briefmarken

Rustikal eingerichtete und urgemütliche Weinbar in der geschichtsträchtigen Parade-Meile des Arbeiter und Bauern-Staates. Alte Schränke und Regale wie bei Omi in der DDR, die mit Weinflaschen bestückt sind. Das denkmalgeschützte Lokal war mal eine Briefmarkenhandlung. Die Weinkarte beinhaltet 120 Positionen aus Italien und Schwerpunkt ist der gute alte Barolo aus dem Piemont mit mehr als 20 Weinen. Die Bar besteht aus zwei getrennten Räumen. Im vorderen Bereich hat man mit bis zu 25 Personen Platz und hinten kann man für eine kleine Gruppe mit 15 Personen eine Tafelrunde versammeln. Es gibt Mozzarella, Bruschetta, Prosciutto und Wurst zu essen. Ansonsten bietet die Bar drei warme Tagesgerichte an.

Prost.

Quelle: http://www.captaincork.com/die-12-besten-weinbars-in-berlin