Aus der Reihe „Unterwegs in den Küchen der Welt“.
Heute: Savoir vivre, Wallis
Ein Artikel von Jens Hoffmann
Ich nehme es vorweg im Wallis kann man richtig gut essen.
Die Küche ist geprägt von den klimatischen Bedingungen der Schweizer Alpen.
Sie verbindet alpine Urküche mit moderner Haute Cuisine. Feine regionale Gerichte wie Raclette und Trockenfleisch gehörten zu unseren täglichen Speisendazu.
Die gesamte Region verführt Feinschmecker und Genießer. Der Ruf seiner Gastronomie ist unumstritten.
Raclette, Aprikosen und sonnenverwöhnte Obst- und Gemüsesorten offerieren unzählige lokale Produzenten.
Walliser Weine gehören immer dazu. Lokales Fleisch ist in den Restaurants der Region zu finden.
Wir haben überall gut gegessen in Zermatt
Die Speisekarten in Martigny sind oftmals französich, aber das mag ich umso mehr.
Wir probierten das Resto Plan Cerisier und das Le Cercle in Martigny.
Beide sind wirklich zu empfehlen.
Ich kam gerade von der Michelin Sterne Verleihung aus Frankfurt und schon ging es weiter mit Fine Dining im franzöischen Teil des Wallis.
Ob in Martigny-Croix oder in Martigny Stadt bald die Michelin Sterne leuchten bleibt ungewiss.
Aber man ist im Wallis sehr bemüht die Kulinarik wertzuschätzen.
Raclette und Cholera sind zwei regionale Spezialitäten die man unbedingt probieren muss.
Das haben wir gemacht.
Zum Diner ging es ins Restaurant Plan Cerisier.
Bei herrlichem Wetter wurden wir königlich begrüßt.
Fondues, Croutes au fromage und Raclette habe ich ausgelassen.
Für mich gab es einen wunderbaren Fleischgenuss mit lokalem Fleisch.
Formidable.
Entrecote, Tartar und Terrine machten mich glücklich und das alles mit Blick auf die Weinberge von Martigny und die Schweizer Alpen.
Schöner kann man nicht zu Abend essen
Wunderbar.
Dazu tranken wir herrliche Weine Petite Arvine und Fendant.
Gut geschlafen habe ich auch..
Weiter gehts.
Im Quartier LôDzè beheimatet in einem feinen Design Hotel mit viel Holz und natürlichen Materialien erwartet den Gast
eine Atmosphäre stilvoller Eleganz.
Hier offeriert der Chef de Cuisine Matteo Salas seine fest in der Region verwurzelte Küche.
Regionalität versteht er nicht als brutal lokal Dogma, sondern als Fundament einer zeitgemäßen, weltoffenen Kochkunst.
Wunderbar.
Die offene Küche fügt sich harmonisch in das Raumkonzept ein und unterstreicht den designverwöhnten Reisejournalisten
Das Ambiente ist entspannt und angenehm unprätentiös.
Die Speisekarte folgt konsequent dem Rhythmus der Jahreszeiten, der regionale Fokus ist beim Gericht erlebbar.
Matteos Küche überzeugt mit klassische französischen Techniken mit vielen mediterranen und asiatischen Einflüssen.
Nach dem Amuse bouche folgt gerösteter Blumenkohl.
Dieser entwickelt durch Röstaromen eine bemerkenswerte Tiefe, die von einem fein abgeschmeckten Joghurt-Koriander-Kondiment und der lebendigen Frische eines Zitronengels elegant ausbalanciert wird.
Wow!
Ein raffiniertes Gericht, das eindrucksvoll zeigt, wie selbstverständlich Gemüse heute die Hauptrolle auf einem Teller übernehmen kann.
Auch beim Hauptgang schmeckte vorzüglich.
Die nach Müllerin-Art gebratenen Eglifilets (ein lokaler Fisch) präsentieren sich mit feiner Kruste und saftigem Kern.
Kapern setzen Akzente, die hausgemachte Sauce war ein angenehmer Begleiter ohne seine Aromen zu überdecken.
Dazu ein kleiner Blattsalat, der Frische ins Spiel bringt und Pommes frites im klassischen Drahtkorb – eine Kombination, die bewusst auf handwerkliche Präzision statt auf spektakuläre Effekte setzt.
Ein wenig französicher Bistrostil den ich mag.
Das süsse Finale hatte einen Touch von Cedric Grolet, es war aber ein zeitgemäße Interpretation des Tiramisù.
Die Mascarpone-Mousse erschien als geformte Kugel, deren cremiges Inneres sich erst beim Anschneiden offenbart.
Intensive Schokoladen- und Kaffeenoten treffen auf knusprigen Crunch und eine ausbalancierte Kaffeeglace.
Das Spiel aus Temperaturen und Texturen verleiht dem Dessert jene Eleganz, die den Klassiker nicht kopiert, sondern respektvoll weiterdenkt.
Dazu gab es für mich Espresso und einen Williams Birne Schnaps.
Perfekt.
Passend dazu überzeugte unsere Weine aus der Region Wallis.
Weine ausländicher Winzer gibt es auch und sogar ausgewählte internationale Top Weine.
Sommelier und Service wirkten angenehm zurückhaltend.
Wer die Küche von Matteo Salas besucht, sucht keine kurzlebigen Effekte, sondern Klarheit auf dem Teller, handwerkliche Präzision und einen respektvollen Umgang mit hervorragenden Produkten.
Mit dem Le Cercle ist Martigny um eine kulinarische Adresse reicher, die den gastronomischen Anspruch der Region auf überzeugende Weise widerspiegelt.
Matteo Salas verbindet die Qualität regionaler Produkte mit einer modernen, weltoffenen Handschrift und zeigt, wie selbstverständlich zeitgemäße Bistronomie heute sein kann.
Informationen und Reservierung:
Restaurant Plan Cerisier
Restaurant Le Cerle im Quartier Lodze
https://quartierlodze.com/about
