Aus der Reihe „Unterwegs in Deutschland“

Von Jens Hoffmann

BYD greift an. Mit viel Technik, Spaß und Rabbatten will man Marktanteile in Deutschland gewinnen.

Der ATT0 3 Evo ist eine modifizierte Version des bisherigen Elektro-SUV der Kompaktklasse.

VW ID.3, Cupra Born, Hyundai Kona Elektro, Kia EV3, Opel Astra und MG4 bereits zahlreich vertreten war. Die nun weiterentwickelte Version namens Atto 3 Evo bietet mehr Motorleistung, eine deutlich größere Batterie, viel höhere Ladegeschwindigkeiten dank einer 800-Volt-Elektroarchitektur und eine vereinfachte Modellstruktur. Dabei basiert der Atto 3 Evo auf der neuesten Ausführung der BYD‑e‑Plattform 3.0.

Optisch von außen zu erkennen ist die neue Version an überarbeiteten Stoßfängern vorn und hinten, schlankeren Seitenschwellern, neuen 18 Zoll großen Leichtmetall-Rädern sowie einem kleinen Spoiler an der Dachkante hinten.

Angeboten werden zwei Varianten: Die Basisversion heißt „Design“und hat Hinterradantrieb, die Topversion „Excellence“ bietet Allradantrieb und stellt dem Fahrer eine Antriebsleistung von 330 kW/440 PS und 560 Nm Drehmoment zur Verfügung. Beide Varianten bekommen eine 74,8 kWh große Batterie. Die WLTP-Reichweite wird für die nur 230 kW starke Basisversion mit 510 Kilometer angegeben. Das Topmodell soll 470 Kilometer schaffen.

de-Akkus am Schnelllader: Angesichts der maximalen Ladeleistung von 220 kW reichen jeweils 28 Minuten für den Hub von zehn auf 80 Prozent. Am AC-Lader wird die Lithium-Eisenphosphat-Batterie des Evo mit 11 kW in 8 Stunden von null auf 100 Prozent gefüllt.

Ich nehme es vorweg:

Der ATTO 3 Evo ist ein Genuss.

Wie ein schon mit Heckantrieb ziemlich kräftiges Elektro-SUV. Die Fahrleistungen sind mehr als ausreichend, die Maschine verfügt in praktisch jeder Situation über reichlich Reserven für schnelle Überholmanöver oder einen kurzen Zwischensprint beim Einfädeln auf die Autobahn – und das schon im Eco-Modus. Dabei blieb der Verbrauch bei der ersten Testfahrt durch und um Hamburg mit einer kurzen Autobahn-Etappe absolut zufriedenstellend aus: 13,2 kWh/100 km zeigte das 8,8-Zoll-Zentralinstument zum Schluss an. Die Schrift auf dem kleinen Display ist aber ebenfalls klein. Zum Ablesen der erlaubten Geschwindigkeit könnte man durchaus eine Lupe brauchen.

Das Fahrwerk macht einen guten Job, bei der Abstimmung stand offenbar nicht maximaler Komfort im Fokus. Der Evo fühlt sich angenehm straff an, gibt aber auf der anderen Seite die Auswirkungen abgesenkter Kanaldeckel spürbar an die Passagiere weiter. Und die Lenkung? Die gibt eine gute Rückmeldung – und keinen Anlass zur Kritik.

Die Karosserie wurde nur dezent überarbeitet, erkennbar ist das etwa an den Stoßfängern, den verschlankten Seitenschwellern und neuen 18-Zöllern. Ganz frisch ist allerdings die Basis: Der Atto 3 Evo steht auf der neuesten Ausführung der BYD-e-Plattform 3.0. Er schafft jetzt in beiden Versionen eine Anhängelast von 1,5 Tonnen statt bisher 750 Kilo. Gar nicht schlecht für ein 4,46-Meter-SUV. Ordentlich dimensioniert ist auch der um 50 Liter gewachsene Kofferraum, dessen Volumen BYD jetzt mit 490 bis 1.380 Litern angibt. Dazu kommt noch ein praktischer Frunk unter der Fronthaube mit nochmal 95 Liter Stauraum.

Im Innenraum fühlen sich vier Erwachsene rundum wohl, auch hinten finden ausgewachsene Mitteleuropäer ordentlich Kopffreiheit, Platz für Beine und Füße und bei der Version Excellence sogar beheizbare Rücksitze vor. Der Fahrer-Arbeitsplatz wurde leicht modifiziert, der Gangwahlhebel wanderte an die Lenksäule, in der Mittelkonsole lassen sich Handys gekühlt laden und zwei Flaschen und Kleinkram unterbringen. Das Infotainment-System ist neu, es integriert, bedienbar über das nur noch horizontal ausgerichtete 15,6-Zoll-Display, die aktuellen Google-Dienste samt cloudbasiertem Sprachassistenten, der mit „Hi, BYD“ aktiviert wird und sich beim ersten Ausprobieren als verständnisvoll und hilfreich erwies.

Die Bedienung geht wie von Smartphone und Tablet gewohnt recht leicht von der Hand. Insgesamt wirkt das Interieur einen Tick wertiger als beim bisherigen Atto 3. Sympathische Feinheiten wie die drei „Gitarrensaiten“ über den Seitenfächern in den Türen oder den Drehöffner für die Türen hat der chinesische Hersteller vom Vorgänger übernommen. Und ein Head-up-Display hat die Excellence-Version auch noch.

Auch bei der Sicherheit hat BYD nachgelegt: Im Atto 3 Evo sind serienmäßig sieben Airbags installiert, dazu ein großes Assistenzpaket etwa mit Abstandsregeltempomat, Querverkehrswarner, Totwinkelüberwachung und Spurhaltefunktion. Der Hersteller gewährt sechs Jahre Fahrzeuggarantie und acht Jahre respektive bis zu 250.000 Kilometer Garantie auf den Akku. Die Preise sind im Zuge des umfangreichen Facelifts gestiegen: Der Fronttriebler kostet ab 44.900 Euro, der Allradler ab 50.990 Euro. Dank des bis aus weiteres gewährten BYD E-Bonus von 10.000 Euro und der staatlichen E-Auto-Förderung von maximal 6.000 Euro sind die Evos derzeit im Idealfall ab 28.990 und 33.990 Euro zu haben.

BYD Atto 3 Evo – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV; Länge: 4,46 Meter, Breite: 1,88 Meter (mit Außenspiegel: 2.06 Meter), Höhe: 1,62 (Allrad 1,66) Meter, Radstand: 2,73 (Allrad 2,62) Meter, Kofferraumvolumen: 490 – 1.380 Liter, im Frunk 95 Liter

Design (Heckantrieb)E-Motor mit 230 kW/313 PS, Drehmoment: 380 Nm, 0 – 100 km/h: 5,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 16,4 kWh/100 km, Akkugröße: 74,8 kWh, Reichweite: 510 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/220 kW (DC), Ladedauer AC: 0 – 100 % in ca. 8 Std.; DC: 10 – 80 % in 28 MinutenPreis: ab 44.900 Euro

Excellence (Allradantrieb)Je ein E-Motor vorne und hinten mit zusammen 330 kW/449 PS, Systemdrehmoment: 560 Nm, 0 – 100 km/h: 3,9 s, Vmax: 200 km/h, Verbrauch: 17,8 kWh/100 km, Akkugröße: 74,8 kWh, Reichweite: 470 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/220 kW (DC), Ladedauer AC: 0 – 100 % in ca. 8 Std.; DC: 10 – 80 % in 28 MinutenPreis: ab 50.990 Euro.

BYD Atto 3 Evo – Kurzcharakteristik:

Warum: Weil er flott und sparsam fährt und schnell lädtWarum nicht: Weil er nach hinten sehr unübersichtlich ist und die Basispreise ganz schön hoch sind

Was sonst: VW ID.3, Cupra Born, Hyundai Kona Elektro, Opel Grandland Electric, Kia EV3, MG4

Wann kommt er: Frühjahr 2026