Tipps für Geniesser
Die Gastronomie in den Karpaten zeigt, wie sich aus der Tradition neue Funken schlagen lassen
Ein Artikel von Jens Hoffmann
Es sind keine leichten Zeiten für die Gastronomie.
Zurückhaltung beim Genuss und hohe Personalkosten beschäftigen alle.
Aber es gibt Hoffnung und feine Innovationen.
So wurden die Besucher des Gastronomica Festival mit viel Sonnenschein und Genuss überrascht.

Ein Gang hier, ein Glaserl Wein dort:
Aber am Konzept einer regionalen Küche mit saisonalen Zuttaten wurde nicht gerüttelt.
Das Gastronomica-Festival zeigte uns auch etwas von der neuen siebenbürgischen Küche.

Ein Abendessen, acht Restaurants und eine mittelalterliche Stadt als Speisesaal: Das erste Gastronomica Sighișoara, das Anfang Oktober 2026 stattfand, setzte auf eine ungewöhnliche Dramaturgie.
Die Gäste zogen von Gang zu Gang durch die kopfsteingepflasterten Gassen der Stadt.
Ein kulinarischer Pass wies den Weg, die Restaurants lieferten die Gerichte, die Stadt die Kulisse.
Drei Tage, 18 Speisen und zahlreiche rumänische Weine machten das Festival zu einer Entdeckungsreise, die weit über den Teller hinausführte.
Mal stand eine samtige Knoblauchcremesuppe auf dem Tisch, mal erschien der rumänische Fleischeintopf Tochitură als knusprige Krokette mit Paprikasauce.
Wow!
Traditionelle Rezepte aus rumänischer, ungarischer und sächsischer Küchentradition begegneten zeitgenössischen Interpretationen.
Brutal lokal, ohne die Herkunft zu verleugnen.
Gerade darin liegt der Reiz des Konzepts.

Siebenbürgens kulinarisches Erbe wurde hier von Andrei Bulz nicht museal präsentiert, sondern als lebendige, vielschichtige Esskultur verstanden.
Sehr empfehlenswert, ein feiner Genuss.
Vogelmilch, Nockerln und Madártej, eine Vanillecreme mit luftigem Baiser, erzählen von einer Region, deren kulturelle Verflechtungen bis heute auf den Tellern sichtbar sind.
No waste und die Zeit enthalten hier eine andere Bedeutung.
Bei den Kochshows zeigte uns der ua. der Chef de Cuisine Nicolae Crăciun eine Sauce, deren Zubereitung drei Tage beansprucht.
Langsames Garen, wiederholtes Reduzieren und die Auswahl regionaler Zutaten sind die Hauptzutaten.
Wow, eine moderne aromareiche Interpretation der klassischen rumänisch-ungarischen Küche.
Ein Gericht, dass die Qualität nicht durch Effekte, sondern durch Geduld gewinnt.
Pop-up an der Burg
In der staatlichen Burg von Sghisoara ist Gastlichkeit Trumpf.

Das Städtchen erweist sich dabei als mehr als eine pittoreske Kulisse.
Zwischen historischen Bürgerhäusern und schmalen Gassen wird jeder Ortswechsel zum Teil des Genusses.
Im Hotel Wanderer trafen regionale Küchenchefs, Produzenten und Gäste aufeinander.
Die Gastfreundschaft ist unprätentiös, die Atmosphäre persönlich – Qualitäten, die sich kaum inszenieren lassen.

Hinter dem Festival stehen die Köche Robert Birtalant, Nicolae Lihor und Tudor Baca.
Fazit: Sighișoara als eigenständiges kulinarisches Reiseziel zu etablieren ist gelungen.
Man kann die Stadt nicht auf einen Zwischenhalt in Transsilvanien reduzieren.
Das Vorhaben funktioniert: Wer sich von Gang zu Gang bewegt, bleibt unweigerlich länger und entdeckt Orte, an denen er sonst vielleicht vorbeigegangen wäre.
Wow!
Das war ein großartiger Gastrofestival Start.
Es hat Spaß gemacht und wir sind 2027 wieder dabei.

Gut geschlafen haben wir im Hotel Wanderer.
Information und Buchung:
https://wanderer.ro/?lang=en-US
