„Wenn ich irgendwohin passe in Berlin, dann hierher, nach Kreuzberg“, findet Dietmar Müller Elmau.

An den Oranienplatz, als Geschäftsführer und Teilhaber des Oriania.Berlin. 

Es gibt 41 Zimmer und Suiten. Unter dem Dach aber auch einen Literatursalon, in der Lobby eine Bühne. Ohne den obligatorischen Festakt –  zeigt uns Dietmar Müller-Elmau worum es ihm vor allem geht: ein offenes Haus, in dem sich das kulturelle Leben dann von ganz alleine einstellen soll. 

Alles, wofür er zeitlebens gekämpft hat, die Freiheit, zu sein, wie man will, und den Anderen leben zu lassen, wie er will. Nachdem die Sandstein-Fassade des früheren Plus-Supermarktes sichtbar wurde gab es Gentrifizierungärger. Klar! Von jeher hat Dietmar Müller-Elmau sich gegen andere aufbegehrt. Auch gegen den Konformismus des Andersdenkens.

Dietmar Müller-Elmau ist im Schloss geboren und aufgewachsen. Seit seiner Jugend rebellierte er, endlich einen Ort zu haben, wo der Geist nicht lahmgelegt, sondern angeregt wird. Eine neue Welt zu schaffen in der man Gast sein möchte.

Sein Opa hätte nicht gerne gesehen, was sich sein Enkel immer schon als Rückzugsorte ausgedacht hat. Weltentrückte Zufluchtsstätten,  Sanatorien für den Geist.

Elmaus Freund ist der Anwalt Dietrich von Boetticher, hat ihm das Gebäude gezeigt, das er erworben hat.

Es gab bereits Pläne, aber Elmau Müller wollte eine Bühne haben. Diese Bühne ist nun das Zentrum dessen geworden, was sich Orania.Berlin Hotel nennt.

Ein Steinway-Flügel steht auf der neuen Bühne. Müller-Elmau wollte einen Rückzugsort für Leute, die am liebsten selbst in Kreuzberg wohnen. Das klang verlockend. Ist doch der beste Zweck eines Hotels der, Privatsphäre zu erzeugen, wo man nicht zu Hause ist.

Mehr als die Hälfte des Berlin-Tourismus – 33,2 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr – kommt lieber in Privatwohnungen unter als in den 530 Hotels.

Die Angst hier ist groß, dass eine Welt zerstört wird für eine andere, glanzvollere, in der man selbst nicht mehr dauerhaft bleiben kann. 

Damit die Nachbarschaft mehr von seinem Hotel habe, will man das der Buchladen gegenüber seine Lesungen künftig im Hotel veranstalten solle. 

Die meisten Musiker, die in seinem Schloss in Bayern auftreten, wohnen ohnehin in Berlin. Für sie ist dieses Stadtdomizil vor allem gedacht. Als Haus, in dem sie essen, proben, sich aufhalten, spielen und andere Musiker treffen können. 

Ein guter Künstler komme nur dahin, wo ein guter Künstler und ein guter Koch seien. Ein Rezept, das sich seit hundert Jahren bewährt hat.

Und vielleicht wird auch Kreuzberg das Orania bald mögen.